Große Weine und kleine Ernte im Weinjahr 2016

Foto: Joachim Lukan

Klein aber sehr fein! Die Lehrjahre eines Winzers enden nie und bleiben stets spannend. Dies bewiesen die ungewöhnlichen Wetterkapriolen vergangenes Jahr in den Weingärten vom Neusiedlersee bis ins Südburgenland. Das Weinjahr 2016 war für die burgenländischen Winzer eine Zeit des Bangens und trotz kleiner Erntemengen mit viel Arbeitseinsatz verbunden. Doch noch im Spätsommer folgte eine entspannte Lesezeit dank physiologisch perfekt ausgereifter und gesunder Trauben.

Die Rebstöcke wurden im Weinjahr 2016 durch einen dreitätigen Spätfrost Ende April und den stellenweisen Hagel, sowie Niederschlägen im Sommer an ihre vegetativen Grenzen gebracht. In den letzten Jahrzehnten der burgenländischen Weinbaugeschichte konnten keine derart hohen Ernteeinbußen verzeichnet werden. Zwischen 50 bis 70 Prozent weniger Trauben am Ende des Jahres ließ einige Winzer traurig werden – über das gesamte Burgenland gesehen, fiel die Ernte um 50% geringer aus als jene 2015. Davon traf es die Südburgenländer mit starkem Hagel, der die durch den Frost schon beeinträchtigen Rebstöcke noch zusätzlich unter Stress setzte, besonders stark. 

Viel Arbeit, wenig Lohn 

Der warme Winter zog sich bis weit in den April des Vorjahres und versetzte die Natur bereits im Februar in Frühlingsstimmung. Dem raschen Austrieb in den Weingärten wurde Ende April ein jähes Ende gesetzt: drei lange Frostnächte ließen die ersten grünen Triebe und Reben in eine Art Schockstarre verfallen. Den Erfrierungen und einem Rückschritt in der vegetativen Reifephase folgte ein monatelang andauerndes schwüles und feuchtes Klima, dazwischen heiße Tage mit bis zu 35 Grad Celsius. So kamen die Winzer ganz schön ins Schwitzen: permanente Laubarbeit zur Durchlüftung der Traubenzone, da durch die nahezu tropischen Bedingungen ein schnelles Wachstum der Blätter vorangetrieben wurde. Dazu waren biologisch- wie auch konventionell bewirtschaftende Winzer ständig im Einsatz, die Rebstöcke und die wenigen Trauben vor Pilzen und Schädlingen frei zu halten. 

Überraschende Wende und Fokus auf Spitzenqualität

Die ambivalente Wettersituation und die Aussicht auf eine geringe Erntemenge, brachte so manch einen Weingartenbesitzer an seine menschlichen Grenzen. Der überdurchschnittlich hohe Arbeitseinsatz der Winzer in den Weingärten wurde im Spätsommer doch noch überraschend belohnt. Warme und trockene Sonnenstunden, bis weit in den Herbst, brachten „natürlich“ selektierte Trauben hervor, die den vollen Energieeinsatz des Weinjahres mit einer ausgeprägten Reife in sich tragen und als wertvoller Schatz in die burgenländischen Keller gebracht werden konnten. Naturgesetze machen keinen Halt vor der Landwirtschaft, was besonders im Weinbau markant zu spüren ist. Doch gerade das macht den Wein zu einem so besonderen und facettenreichen Erlebnis: Jahr für Jahr erzählt er uns über seinen ganz persönlichen Werdegang und zeigt uns auf eine sensorische Weise die Einflüsse von Mutter Natur und die professionellen Handfertigkeiten der Winzer. 2016 bringt uns sortentypische Aromen, ein ausgewogenes Säurespiel und samtige Fülle am Gaumen mit Top Qualität.    

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